G. Pyhrgas und Scheiblingstein

am 03.05.2009

G. Pyhrgas 2.244 m , Scheiblingstein 2.197 m - 2.040 Hm

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mit dabei:
Hans Jörg, Peter, Ernst und Peter d. Große



Nachdem wir vor einigen Jahren mit der Befahrung der Südwestflanke des Gr. Pyhrgas auf der Linie des Hofersteigs (mit Umfahrung des Felsbandes nach der ziemlich steilen Einfahrt) unsere ersten Erfahrungen im Bereich der Haller Mauern gesammelt haben, gab es mit der Besteigung all der östlich davon gelegenen Gipfel (Kl. Pyhrgas, Scheiblingstein, Kreuzmauer, Hexenturm, Natterriegel und Mitterkogel) in den Folgejahren eine Reihe von Tourenhighlights in dieser Gebirgsgruppe.

Auf  dem Weg ins Holzerkar
Das Holzerkar, das seinen Endpunkt als Schitour üblicherweise ?nur? auf einer unbenannten Scharte hat, hat uns zwar bei jeder Fahrt von Oberösterreich in die Steiermark angelacht, aber vorerst nicht ernsthaft interessiert. Hans Jörgs Information, dass es da eine Möglichkeit gäbe, auf den Gr. Pyhrgas von der Nordseite aufzusteigen hat uns vorerst auch noch nicht von der Ofenbank weggelockt, teilt er uns doch immer wieder mit, dass man überall dort, wo der Schnee liegen bleibt, bei guten Verhältnissen auch mit Schiern hinunter fahren kann. Und nach diesem Motto haben wir schon gemeinsam die eine oder andere sehr rassige Tour unternommen.

Die Zusatzinformation, dass es da seinen Freund Peter aus Oberösterreich gibt, der dort auch schon gegangen und gefahren ist, hat diese Tour aber ziemlich schnell Realität werden lassen. Und diesen Freund aus Oberösterreich, der mit Hans Jörg schon viele gemeinsame alpinistische Großtaten, vor allem im Bereich des Kletterns, vollbracht hat, haben wir an diesem Tag im Winkel getroffen, wo er sein Auto abgestellt hat.

Am Weg zur Holzeralm
Danach sind wir zusammen ein Stück zurück nach Oberweng gefahren und haben dort am Ende der Fahrmöglichkeit mit aufgepackten Schiern den Aufstieg entlang des Gostlitzbaches begonnen. Obwohl Peter eine Woche zuvor noch fast ganz hinunter gefahren war, war der Weg bis hinauf zur Hoferalm inzwischen ausgeapert.

Auf der Holzeralm
Zwischen blühenden Frühlingsboten haben wir uns dem Schneeband genähert, das über die folgende Steilstufe ins Holzerkar hinauf zieht. Während Ernst, der ungern seine Schultern unnötig belastet, sofort angeschnallt hat und in seiner unverwechselbaren Art in der direkten Linie, jedwede Spitzkehre vermeidend, aufgestiegen ist, haben wir die Steilstufe noch mit aufgepackten Schiern überwunden und erst oberhalb davon angeschnallt.

Aufstieg aus dem Holzerkar zum Nordgrat
Danach ging es hinauf ins Holzerkar bis auf Höhe des Lawinenkegels, der von rechts aus der Pyhrgasflanke herunter reicht. Im Steilgelände nach rechts hinauf sind wir in etwa dem versicherten Bad Haller Steig gefolgt. Die Sicherungen waren natürlich tief eingeschneit. Das Spuren haben dankenswerterweise Hans Jörg, Peter und Ernst übernommen. Dabei hat sich ein Teil des nicht verfestigten Neuschneezuwaches der letzten Woche in die Tiefe verabschiedet.

Am Nordgrat kurz vor dem Schidepot
In einer Spalte unterhalb einer Felsstufe haben wir einen perfekten Balkon zum Aufpacken der Schier vorgefunden. In sehr tiefen Fußstapfen ging es dann hinauf auf den Nordgrat und über diesen noch ein Stück weiter bis zu jenem Punkt, an dem wir den besten Punkt für den Beginn unserer späteren Abfahrt ausgespäht hatten.

Die letzten Meter zum Gipfel des G. Pyhrgas
Danach sind wir entlang der großteils zugeschneiten Seilversicherungen zum Gipfel, der sich immer wieder hinter Wolken versteckt hat, aufgestiegen. Zwischendurch hat uns ein beißender Wind begleitet, am Gipfel, den wir nach exakt 4 Stunden Aufstiegszeit erreicht haben, war es aber nahezu windstill. Sonnige Abschnitte haben uns überdies für die bisherigen Aufstiegsmühen belohnt.

Peter d. G. am Beginn des Abstiegs vom G. Pyhrgas
Nach der Gipfelrast, bei der wir kurz von einem Bergläufer, der von der Bosruckhütte herauf gerannt war, Besuch bekommen haben, ging es wieder zurück entlang es Aufstiegsweges zum Schidepot. Einige Schneepassagen sind wir, um tiefes Einsinken zu vermeiden, am Hosenboden hinunter gerodelt.

Abfahrt ins Holzerkar
Vom Schidepot sind wir dann einige Meter zum Schnee hinunter gekraxelt. Danach galt es erst einmal sichere Verhältnisse für die weitere Abfahrt zu schaffen. Mit einer Querfahrt über den gesamten Hang, haben wir nicht nur die Abfahrtsspur, sondern wegen der Steilheit des Geländes auch die Flächen darunter vom Neuschnee der letzten Woche befreit. Und weil sich das ganze über einer Felsstufe abgespielt hat, hat es ganz schön gerumpelt im Holzerkar. Ich hoffe, wir haben von den in der Tiefe unter uns vorbeiziehenden Torengehern niemanden erschreckt.

Tiefblick mitten in der Querung
Als Schlussmann bin ich dann schon auf einem ziemlich harten Harschdeckel zur Felsrippe nach rechts hinüber gequert. Die Rinne neben der Felsrippe hatte in der Zwischenzeit auch schon den größten Teil des lockeren Schnees abgeworfen, trotzdem hat einen bei jedem Schwung ein Teil des lockeren Materials zu überholen versucht.

Austieg aus dem Holzerkar mit Scheiblingstein
Sehr genussvoll sind wir so ins Holzerkar hinunter gecarvt und haben dort wieder aufgefellt. Entlang der von einer Vielzahl von Tourengehern gut ausgetretenen Spur ging es dann in einer knappen halben Stunde hinauf auf die oben genannte Scharte. Beim ausgeaperten Ausstieg aus dem Kar haben wir die Schier wieder aufgepackt und dann gleich in südlicher Richtung leicht ansteigend noch ein Stück weiter getragen.

Aufstieg zum Scheiblingstein
Die riesige Wechte rechts umrundend sind wir nach dem Abfellen und Umrüsten bis ans obere Ende der Langen Gasse abgefahren. Nach der standesgemäßen Begrüßung durch ein Rudel Gämsen wurde wieder aufgefellt und es ging dann ? diesmal für uns alle ? in der direkten Linie über die Firnflanke hinauf zum Gipfelaufbau des Scheiblingsteins. Auch über das letzte Schneefeld bis zum Schidepot sind wir nach einer kurzen Tragepasssage noch auf Schiern aufgestiegen.

Blick vom Scheiblingstein zum G. Pyhrgas
Danach sind wir wieder zu Fuß entlang des zum größten Teil ausgeaperten Steigs zum Gipfel aufgestiegen. Dort hat uns nicht nur absolute Windstille, sondern auch noch herrlicher Sonnenschein den Gipfelaufenthalt versüßt. Den Blick zurück zum Gr. Pyhrgas mit unseren deutlich sichtbaren Aufstiegs- und Abfahrtsspuren haben wir jedenfalls ausgiebig genossen.

In Bildmitte die Rinne ins Eiskar, dahinter die Aufstiegs- und Abfahrtsroute zum und vom G. Pyhrgas
Jeder schöne Augenblick hat irgendwann ein Ende und deshalb hieß es nach der Gipfelrast wieder abzusteigen. Die Erwartung eines firnigen Abfahrtsvergnügens hat diesen Teil des Weges jedenfalls sehr kurzweilig gestaltet. Daneben gab es auch noch die Möglichkeit, alternative Abfahrtsrouten für künftige Touren zu studieren.

Firnvergnügen am Scheiblingstein
Die folgende Abfahrt über die Firnflanke wäre es jedenfalls schon wert gewesen, nur wegen ihr so weit aufzusteigen. Aber die eigentliche Abfahrt hatten wir ja noch vor uns. Dafür mussten wir aber noch einmal kurz ansteigen.

Wiederanstieg nach der Abfahrt vom Scheiblingstein
Es wurde also wieder aufgefellt, jetzt aber wirklich zum letzten Mal. Entlang unserer Abfahrtsspur haben wir versucht, wieder jenen Punkt zu erreichen, von dem wir zuvor zum oberen Ende der Langen Gasse abgefahren waren. Aber der noch nicht verfestigte Neuschnee der letzten Woche in Verbindung mit der harten Unterlage und der Steilheit des Geländes hatte etwas dagegen. Auch Ernst die Gämse hat nach einem kleinen Fehlversuch eine etwas flachere Spur eingeschlagen und, man lese und staune, schließlich sogar zwei Spitzkehren eingebaut. Wir haben da lieber abgeschnallt und sind die letzten Meter in der ausgeaperten Leite neben der großen Wechte aufgestiegen.

Abfahrt ins Eiskar
Oben angekommen haben wir die Felle endgültig verstaut und uns für die letzte und eigentliche Abfahrt des Tages vorbereitet. Peter hatte uns ein durchgehendes Schneeband, das in der Mitte möglicherweise etwas mit Steinen durchsetzt sein könnte, hinunter ins Eiskar versprochen. Dies galt es beim Abschätzen der Auslaufzone nach einem etwaigen Sturz zu berücksichtigen. In der bei der Abfahrt vom Gr. Pyhrgas bewährten Manier wurde vorerst mit einer Schrägfahrt wieder der Hang "gesäubert".

Abfahrt ins Eiskar
Und nachdem der Großteil des Lockerschnees unten war, sind wir nachgefahren. Peters Prognose hat sich zum Glück mit Ausnahme einzelner Nockerl nicht bewahrheitet. Die Abfahrt wurde daher neuerlich zu einem adrenalinhältigen Vergnügen. Die Qualität des Firnschnees war perfekt. Und sie ist es nach dem Überqueren des von uns produzierten Lawinenkegels neben der Felswand auch weiter hinunter ins Eiskar geblieben.

Abfahrt im Eiskar
Die lange Schrägfahrt durch das Eiskar war dann auch sehr genussvoll und nach wenigen Schritten bergauf am Ausgang des Kars haben wir noch einmal pausiert und rückblickend diesen ersten Teil der Talabfahrt auf uns einwirken lassen.

Abfahrt im Winklerkar
Danach ging es auf genauso schönem Firn weiter hinunter ins und durch das Winklerkar. Es war kein einziger Schwung dabei, der nicht mit Jubeln verbunden war. Und die Qualität es Schnees hat auch entlang des Almbodens bis zum letzten Meter vor dem Abschnallen nicht nachgelassen.

Rückweg nach Winkl
Danach wurde wieder aufgepackt und zwischen blühenden Bäumen und Frühlingsblumen neben rauschenden Bächen ging es zurück zu Peters Auto. Nach knapp 10 Stunden am Berg haben wir die Rucksäcke in die Wiese plumpsen lassen und nach dem Abholen meines Autos den Weg zum gemeinsamen Einkehrschwung auf einer sonnigen Terrasse angetreten.

Marmeladepalatschinken
Viel elektrolythaltige Flüssigkeit hat den Schweißverlust des Tages wieder wettgemacht. Und die nötige Energie für die Heimfahrt haben wir uns bei Leberknödelsuppe und Marmeladepalatschinken (mit Varianten den zweiten Gang betreffend) geholt.

Als Fazit dieser großartigen Tour muss ich noch festhalten, dass wir ja vorher geglaubt hatten, die Haller Mauern bereits ?erledigt? zu haben. Peter mit seinem alpinistischen Spürsinn für besondere Routen hat uns gezeigt, dass wir in den nächsten Jahren in den ?Juliern des Nordens? noch ein reiches Betätigungsfeld mit außergewöhnlichen Touren vor uns haben. Und dafür sei ihm an dieser Stelle noch einmal ein großes Lob gezollt.



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