Selenitza (AUT/SLO)

am 25.03.2016

Selenitza 2.026 m - 1.300 Hm (mit Fleißaufgabe)

Zurück

mit dabei:
Chris, Hans Jörg, Philipp und Andreas (Anderl)


Der obere Teil der Rinne
Die Wetterprognose für diesen Karfreitag war für den Süden günstiger als für den Rest des Alpenlandes. Deshalb hat es uns wieder einmal in die Karawanken verschlagen. Die Selenitza hatten wir zwar schon über die Pautzrinne und die Zlebscharte bestiegen, aber die Ostrinne war für uns neues Terrain, auf das wir schon eine Zeit lang unseren Fokus gelegt hatten.

Aufbruch bei der KZ Gedenkstätte Loibl Nord
Direkt neben dem Nordportal des Loibltunnels, bei der Gedenkstätte des KZ Nebenlagers von Mauthausen, sind wir gestartet. Zuerst ging es einmal ca. 60 Hm abwärts bis in den Selenitzagraben. Dort sind wir dann entlang eines Weges, später neben bzw. im Bachbett wieder so weit angestiegen, bis wir auf den querenden Forstweg getroffen sind. Diesem sind wir kurz in Richtung Osten gefolgt und danach entlang jenes Grabens weiter angestiegen, der den Lawinenschnee aus der über der sperrenden Steilstufe beginnenden Rinne sammelt.

Fleißaufgabe im Steilgelände
Im Wald daneben sind wir noch so weit angestiegen, bis sich das Gelände über uns so aufgesteilt hat, dass ein Anstieg auf Skiern nicht mehr weiter möglich war. Wir haben die Steigeisen montiert und die Skier aufgepackt. Danach haben wir den in vielen (offensichtlich voneinander abgeschriebenen) Tourenbeschreibungen erwähnten abenteuerlichen Steig durch das mit Latschen durchsetzte Steilgelände gesucht und auch gefunden (Nicht den Steig , aber das abenteuerliche Steilgelände).

Fleißaufgabe im Steilgelände
In diesem haben wir uns durch enge Latschengassen, über sehr ausgesetzte Felsabbrüche und Rinnen nach oben gearbeitet. Entlang der abbrechenden Felsstufen waren dabei breite Spalten zwischen Fels und Schnee zu überwinden bzw. mit Hilfe des Pickels zuerst einmal mit Schnee zu füllen, bevor wir, ohne darin zu versinken, drüber steigen konnten.

Der letzte Teil der Fleißaufgabe von meinem Umkehrpunkt am Wechtengrat gesehen
Knapp vor jenem Punkt, an dem ich endlich freie Sicht nach oben hatte, bin ich noch einmal bis zur Hüfte in einem solchen Spalt versunken und habe mich mit Hilfe des Pickels wieder befreien müssen. Und hatten wir gehofft, am Ende des mühsamen Anstiegs einen direkten Zugang zur Rinne zu haben, so wurde ich jetzt auf meinem Balkon auf einem schmalem Wechtengrat eines Besseren belehrt. Die Beurteilung des ungangbaren Geländes oberhalb von mir bis hin zur Rinne hat nur einen möglichen Weg offen gelassen, nämlich in der Aufstiegspur wieder nach unten.

Neue Energie tanken nach dem Abstieg
Mit der gebotenen Vorsicht ging es also wieder abwärts und nach 2 Stunden anstrengender Kraxlerei und Wühlerei waren wir exakt wieder dort, wo wir abgeschnallt hatten. Jetzt war zuerst einmal eine Stärkung angesagt. Danach galt es einen möglichst ökonomischen Weg bis hin zu jener Aufstiegsspur zu finden, die ich von oben auf der anderen Seite des Felsriegels gesehen hatte. Daher wurde einmal kurz abgestiegen und danach möglichst hoch unter der Steilstufe nach Osten gequert.

Aufstieg zur Rinne über die „Blaue Piste“
In den dort vorgefunden Trittstufen sind wir dann sehr komfortabel nach oben marschiert und sind uns vergleichsweise gegenüber dem, was wir zuvor hatten, wie auf einer „Blauen Piste“ vorgekommen. Sehr schnell haben wir den Auslauf der Rinne erreicht und darin erstmals frei Sicht nach oben gehabt. Zwei abfahrende Burschen, denen wir in diesem Bereich begegnet sind, haben uns erzählt, dass der Schnee in der Rinne sehr hart gewesen sei.

Viele Knollen von Nassschneerutschen aus dem Steilgelände im unteren Teil der Rinne
Bei unserem weiteren Anstieg im unteren Teil der Rinne konnten wir dies nicht bestätigen. Die Rinne war mit vielen Knollen von Nassschneerutschen aus dem umliegenden Steilgelände gefüllt. Diese waren aber durch die Sonneneinstrahlung - zumindest oberflächlich – aufgeweicht. So gesehen wäre dieser Bereich auch ganz passabel fahrbar gewesen. Sehr flott haben wir jetzt an Höhe gewonnen und uns vor der Aufspaltung der Rinne eine Trinkpause gegönnt.

Pickelharter Schnee ab der Engstelle im oberen Teil der Rinne
Nach der Engstelle im geradeaus weiter laufenden rechten Ast sind die Verhältnisse schlagartig anders geworden. Plötzlich war der Schnee pickelhart und nicht nur die Steigeisen, sondern auch der Pickel dringend nötig. Stellenweise hätte ich mir einen zweiten Pickel zum Sichern gewünscht. Und war bis zur Rinnenmitte für uns noch klar, durch diese auch wieder abzufahren, so war jetzt sehr bald der Entschluss bei jedem Einzelnen von uns gereift, eine Überschreitung zu machen und über das slowenisches Gebiet auf der Südseite abzufahren. Chapeau vor den beiden Burschen, die eine Stunde zuvor in diesem Bereich abgefahren bzw. - den Spuren nach zu urteilen - größtenteils abgerutscht waren.

Etwas griffigerer Schnee im oberen Teil der Rinne
Mit der gebotenen Vorsicht und daher entsprechend langsamer haben wir uns jetzt durch den oberen Bereich der Rinne aufwärts bewegt. Weiter nach oben hin ist zwar der Schnee wieder etwas griffiger geworden, dafür hat sich das Gelände, das durchschnittlich in einem Bereich von 36 – 40 Grad steil war, noch einmal auf bis zu 50 Grad aufgesteilt.

Anstieg im Schlussteil der Rinne; von re. unten (hinter dem 3. Mann) sind wir herauf gekommen; unterhalb des oberen Bildrands der Ausgangspunkt beim Tunnel Nordportal
Nach dem Ausstieg aus dem engen Teil der Rinne ging es nach links hinauf bis hin zum endgültigen Ausstieg noch einmal flott zur Sache. Vor allem der jetzt freie Tiefblick bis zum Ausgangspunkt der Tour war überwältigend. Während Chris bereits eine Etage über uns dem Gipfel entgegen geeilt ist, hatten wir knapp vor dem endgültigen Ausstieg aus der Rinne noch eine pickelharte, weil vereiste Stelle zu packen.

Gipfelselfie
Danach ging es hinauf auf den Gipfel, wo Chris sich in der Zwischenzeit der vielen Dohlen nicht erwehren konnte. Die haben sich dann auch nach unserer Ankunft sehr frech gezeigt und auch unsere zur Andacht aufgestellten Karfreitagskreuze nicht verschont. Lange hat unserer Gipfelaufenthalt aber auch schon deshalb nicht gedauert, da wir einerseits zu Beginn so viel Zeit verbraten hatten und andererseits jetzt der eigentlich für viel früher angekündigte Wolkenschirm sehr flott näher gekommen ist.

Aufgefädelt; sehr hart auch der südseitige Abstieg zur Zlebscharte
Beim Abstieg zur Zlebscharte war noch einmal große Konzentration gefordert, weil auch an der Südseite der Schnee pickelhart war. Jeder Tritt mit den Steigeisen war daher auch hier mit der gebotenen Sorgfalt zu setzen. Auf der Scharte wurde dann endlich für die Abfahrt umgerüstet und die Steigeisen durften wieder in den Rucksack.

Abfahrtspause mit Blick zur Begunjščica
Auf brettelhartem Untergrund sind wir dann von der Scharte in Richtung Smucarski dom abgefahren. Mit abnehmender Höhe ist der Schnee dann immer schmieriger und daher besser fahrbar geworden. Um uns einen Gegenanstieg zu sparen, sind wir sehr hoch in Richtung Hütte nach links hinaus gequert und danach im Skigebiet angekommen.

Abfahrt entlang des stillgelegten Skigebiets
Entlang der aufgelassen Sessellifte sind wir dann mit flotten Carvingschwüngen talwärts gebraust und haben direkt hinter dem Shop beim Loibltunnel - Südportal abgeschwungen. Und weil die Rauchwaren an der Südseite des Tunnels immer noch billiger sind als bei uns, war es kein Problem in kürzester Zeit per Autostopp wieder zum Nordportal zu gelangen. Bei der Grenzkontrolle – den Reisepass habe ich bei Touren im Grenzgebiet ohnedies immer mit – bin ich ausgestiegen und die wenigen Meter bis zum Ausgangspunkt der Tour hinauf gegangen. Bei dieser Gelegenheit konnte ich mich an den Schautafeln über das Nebenlager des KZ Mauthausen informieren.

Fastensuppen am Loiblpass
Mit den frischen Informationen, dass der Tunnel in den Jahren 1943 – 1945 von KZ Häftlingen erbaut worden war, habe ich diesen anschließend ein weiteres Mal unter geändertem Blickwinkel durchfahren und die Kollegen an der Südseite abgeholt. Danach ging es abermals durch das Loch im Berg nach Norden und nach der Grenzkontrolle zur Einkehr. Der Heinrich wird verstehen, dass es an diesem Fasttag – zumindest für uns - nur die Wahl zwischen einer Kräutersuppe ohne bzw. mit einem Kaspressknödel darin gab. Aber der gehört ja ohnedies nicht zu seinen bevorzugten Suppeneinlagen. Und weil nach der Heimfahrt für Chris und mich noch ein Abstecher auf den Schererkogel zum Auffüllen der Zutaten für den Ostertisch am Plan stand, gibt es für ihn noch eine abschließende - fleischlose - Information. Diese betrifft das Käsebrot, das kulinarisch den Tag beschlossen hat.

So wünsche ich abschließend allen Besuchern meines webblogs mit einem Bild der Hühnerschar in unserem Garten „Frohe Ostern!“
Wer hat das rote Ei gelegt?



Mehr Bilder zur Tour

Zurück







| Suchmaschinenoptimierung durch die Lorem Ipsum GmbH |